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Gedanken zur Politischen Bildung im Unterricht
„Nicht jede Person ist ein politischer Mensch, aber ein Teil der Politik.“
In dieser Aussage steckt das Spannungsfeld, in welchem Lehrkräfte sich befinden. Es ist aber Aufgabe der Schule, Brücke in diesem Spannungsfeld zu sein. Die Schule muss ihren Beitrag leisten, damit sich politisches Bewusstsein und Teilhabe am politischen Leben entwickeln können. Politische Bildung wird dabei nicht nur als Institutionenlehre sondern eben auch als Demokratielernen verstanden. Lehrpersonen sehen sie sich in dieser Problematik mit Tatsachen und Fragestellungen wie den folgenden konfrontiert:
- Politische Bildung ist zu komplex!
- Wie schaffe ich Zugang und Betroffenheit zu einem Thema?
- Wie bringe ich aktuelle Ereignisse in den Unterricht hinein?
- Als Lehrperson darf ich mich nicht exponieren, ich muss neutral bleiben, ich darf meine politische Meinung nicht kundtun.
- Wie gehe ich mit dem „Spagat“ Wunsch nach politischer Bildung einerseits und Desinteresse an Politik andererseits um?
- Beschränke ich mich auf kommunale Politik? Wage ich mich auf das nationale Parkett oder spreche ich sogar globale Themen an?
Didaktische Überlegungen zur Politischen Bildung im Unterricht
Der Bereich „Politische Bildung“ umfasst drei grundsätzliche Gebiete:
- Gelebte Demokratie - Jede Schuleinheit, jede Klasse kann als politische Einheit gesehen werden. Daraus kann sich situativer Unterricht ergeben, in welchem Regeln, Hierarchien, Mitsprache, Grenzen von Mitsprache etc. behandelt werden könnten.
- Institutionenlehre - Basisunterricht: Das Vermitteln von Wissen und Begrifflichkeiten steht im Zentrum.
- Politisches aktuelles Zeitgeschehen - Damit ist der thematische Unterricht gemeint: Als Beispiele seien hier Abstimmungen und Wahlen genannt.
Betrachtet man diese drei Gebiete als Einheit, dann wird klar, dass Politische Bildung nicht nur als Fach vermittelt werden kann, sondern dass es sich um ein Unterrichtsprinzip handelt.
Unterrichtsprinzip bedeutet, dass die Lehrkraft im gesamten Unterricht, im Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, mit der Klasse, in der Schaffung der Schulatmosphäre, im Behandeln der Konflikte und Probleme jene Spielregeln zusammen mit den Schülerinnen und Schülern praktiziert, die auch für das öffentliche, politische Leben gelten.
Politische Bildung ist somit als Prozess zu verstehen, der fortwährend mit Leben gefüllt werden muss.
Grundaufgabe ist – über alle Stufen hinweg – Erziehung der Schüler und Jugendlichen zu Demokratiefähigkeit und Mündigkeit. Demokratiefähigkeit wird mit Integrationsfähigkeit in die Gesellschaft mit all ihren Normen, Rechten und Pflichten definiert.
Fähigkeit zur Demokratie muss sich als übergeordnetes Prinzip, als roten Faden durch die Volkschule ziehen.
Als möglichen roten Faden kann folgende Tabelle dienen:
| Kenntnisse | Fähigkeiten |
|---|---|
| Menschen leben in Gemeinschaften, die unterschiedliche Interessen haben. | Gesellschaftliche Umwelt differenziert wahrnehmen, unterschiedliche Standpunkte erkennen und formulieren können. |
| Jedes Gemeinschaftsleben unterliegt bestimmten Regeln. | Merkmale unterschiedlicher Standpunkte erkennen, abwägen, bewerten können. |
| In jeder Gemeinschaft gibt es Macht- und Herrschaftsstrukturen. | Sich seiner eigenen Interessen bewusst werden und diese formulieren können. |
| In einer demokratisch organisierten Gemeinschaft erfolgt Machtübertragung durch Wahlen und Entscheidungen. Diese werden nach dem Mehrheitsprinzip getroffen. | Eigene Meinung und Urteile begründen und andere Meinungen tolerieren können. |
| Jeder Mensch trägt eine Mitverantwortung für das Gemeinschaftsleben und kann Einfluss darauf nehmen. | Konfliktlösungsstrategien: Dialogische Gesprächsführung, Konsensfindung, Kompromisse aushandeln, Dissens aushalten, Mehrheitsbeschlüsse herbeiführen und akzeptieren. |
Aktiv am gesellschaftlichen Leben nimmt teil, wer mündig ist. Mündigkeit drückt sich aus in: Urteilsfähigkeit, Selbstvertrauen und Lebensbejahung.
Für einen wirksamen politischen Bildungsprozess sind deshalb folgende Prinzipien als Rahmenbedingungen abzuleiten:
- Aktive Gestaltung und Organisation des Schullebens nach demokratischen Prinzipien,
- lernpsychologische, gegenwarts- und lebensweltbezogene Schülerorientierung,
- problemorientiertes, exemplarisches Lernen,
- positive Bekräftigung von kreativen Denkleistungen,
- Nutzung von Themen, die einen kontroversen Bildungsgehalt besitzen.
Gerecht werden kann man diesen didaktischen Prinzipien insbesondere durch die Organisation von offenen Problemstellungen und durch den Einbezug von aktuellen Situationen aus dem Schulalltagsleben. So kann der Schüler und Jugendliche tatsächlich Demokratie erleben und lernen.