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Sonderpädagogik-Konzept

Das Konzept beschreibt die sonderpädagogischen Massnahmen von der frühen Kindheit bis zum vollendeten 20. Altersjahr. Mit ihm verfügen alle Beteiligten, die Kinder und Jugendliche mit besonderem Bildungsbedarf, über eine zukunftsorientierte Grundlage. Dazu gehören Heilpädagogische Frühförderung, Integrierte schulische Förderung, Therapien, Kleinklassen, behinderungsspezifische Beratung und Unterstützung sowie Sonderschulung.

 

Der Hauptteil des Sonderpädagogik-Konzeptes ist seit dem Schuljahr 2015/16 in Vollzug. Weitere Teile, namentlich das Versorgungskonzept für den Sonderschulunterricht, der Ausbau der behinderungsspezifischen Beratung und Unterstützung sowie die Leistungsaufträge mit den schulpsychologischen Diensten, werden in den kommenden Jahren schrittweise umgesetzt.

Versorgungskonzept für den Sonderschulunterricht

Das neue Sonderpädagogik-Konzept des Kantons St.Gallen enthält als wichtiges Element ein Versorgungskonzept für den Sonderschulunterricht. Das Versorgungskonzept bezweckt ein vergleichbares Platzangebot für alle Kantonsteile und einen Ausbau der Tagessonderschulplätze in den Regionen («Die Sonderschule geht zum Kind.»). Dazu werden im südlichen Kantonsteil neue Angebote geschaffen. Das Bildungsdepartement hat nun für das Versorgungskonzept ein Vollzugskonzept erlassen und kommuniziert. Dieser Schritt markiert den endgültigen Abschluss der grossen Reform der Sonderpädagogik.

 

Nach Anpassung eidgenössischer und kantonaler Gesetze wurde für den Kanton St.Gallen ein neues Sonderpädagogikkonzept entwickelt und auf das Schuljahr 2015/16 in Vollzug gesetzt. Das Sonderpädagogikkonzept regelt alle fördernden Massnahmen der Volksschule von Grund auf neu. Ein wichtiger Teil betrifft die Sonderschulen, deren Steuerung der Kanton vom Bund (Invalidenversicherung) übernommen hat. Das Angebot der Sonderschulen war neu zu ordnen. Für jede Sonderschule waren das Einzugsgebiet und die Schülerkapazität zu bestimmen. Dies ist in einem transparenten und partizipativen Prozess geschehen und nunmehr abgeschlossen worden.

 

Ausgewogenes Schulangebot für Alle 

Mit dem Versorgungskonzept für den Sonderschulunterricht werden die regionalen Tagessonderschulplätze zu Lasten von zentralen Sonderschulinternaten ausgebaut, damit auch Schülerinnen und Schüler mit Behinderung soweit wie möglich in ihrer Familie aufwachsen können. Zur Unterstützung der Familien werden ausserdem die ausserschulischen Betreuungsangebote ergänzt. Der Ausbau erfolgt auch zu Lasten von Platzierungen in anderen Kantonen.

 

Drei neue Tagesschulangebote im südlichen Kantonsteil 

Ausgebaut werden zum einen die Platzangebote für Schülerinnen und Schüler mit schwerwiegenden Lern- und Verhaltensschwierigkeiten. Dazu werden zwei neue Tagessonderschulen eröffnet: eine in der Region Werdenberg/Sarganserland und eine in der Region Gaster-See.

 

Auch die Sprachheilschulplätze für Kindergarten- und Unterstufenschülerinnen und -schüler

werden vergleichbar auf die Regionen verteilt. Das führt zu einem Ausbau von Sprachheilschulplätzen für das Rheintal sowie für die Region Werdenberg/Sarganserland. Im Rheintal wird die Sprachheilschule St.Gallen einen Filialbetrieb, vergleichbar mit dem schon bestehenden in Uznach, eröffnen. Mit der Verlagerung von Sprachheilschulplätzen von St.Gallen ins Rheintal können Rheintaler Schülerinnen und Schüler mit Sprachbehinderung im Kindergarten und in der Unterstufe in der Region bleiben. Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe aus dem ganzen Kanton besuchen weiterhin die Sprachheilschule St.Gallen. Das Platzangebot der Oberstufe in St.Gallen wird zugunsten der neuen Angebote in den Regionen reduziert. Es steht aber weiterhin eine Oberstufenklasse für besonders begründeten Bedarf zur Verfügung.

 

Zusammenarbeit mit der Sprachheilschule in Schaan FL wird ausgebaut 

In der Region Werdenberg/Sarganserland besuchen Kinder mit Sprachbehinderung seit mehr als dreissig Jahren die Sprachheilschulabteilung des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) in Schaan, Fürstentum Liechtenstein. Das HPZ Schaan ist in der Region bestens verankert und auf das St.Galler Schulsystem fokussiert. Sein Platzangebot für St.Galler Kinder wird weitergeführt und ausgebaut. Es können dafür die bestehenden, modernen Strukturen genutzt werden. Die Zusammenarbeit zwischen dem Kanton St.Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein wird längerfristig vertraglich verankert.

 

Mehr behinderungsspezifische Beratung und Unterstützung für die Regelschule 

Damit Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung vermehrt auch die Regelschule besuchen können, wird die behinderungsspezifische Beratung und Unterstützung (B&U) ausgebaut. Die B&U-Dienste beraten primär die Lehrpersonen und vermitteln behinderungsspezifische Techniken (z.B. Brailleschrift) sowie den Einsatz von Hilfsmitteln (z.B. von Hörgeräten). Zuständig für die Führung der Dienste sind in der Regel die regionalen Tagessonderschulen.

 

Vollzug mit angemessenen Übergangsfristen 

Die Neuordnung des sonderschulischen Angebotes hat für einzelne Institutionen weitreichende Konsequenzen. Der Vollzug kann nicht von einem Tag auf den anderen erfolgen, sondern wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Das Bildungsdepartement schliesst mit den Schulträgern Leistungsvereinbarungen ab. Die Individuelle Situation der einzelnen Sonderschulen wird angemessen berücksichtigt.

 

Grossprojekt Sonderpädagogik ist definitiv abgeschlossen 

Mit dem Vollzug des Versorgungskonzeptes für den Sonderschulunterricht wird der Schlusspunkt unter die Reform der gesamten Sonderpädagogik gesetzt. Das Grossprojekt – es beschlug einen Bereich der Staatstätigkeit mit einem betrieblichen Jahresumsatz von rund 200 Mio. Franken – war durch die Neuordnung des Finanzausgleichs und der Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen (NFA) ausgelöst worden und hat die Volksschul-Welt während rund zehn Jahren intensiv mit Gesetzgebungs- und Konzeptarbeit beschäftigt.